Feministisches Alleinreisen

In der Presse findet sich ein Artikel darüber, wie revolutionär es ist, wenn Frauen alleine durch die Welt reisen und welche besonderen Bedürfnisse Sie dabei haben.

Kurzgefasst: Auch keine anderen als Männer, es wird nur eben mit feministischem Geheule untermalt: So wird beispielsweise das Roadmovie „Thelma und Louise“ (2 Hausfrauen werden kriminell und kommen schließlich um / begehen Selbstmord) als Beispiel dafür herangezogen, wie das Patriarchat Frauen subversiv das Alleinreisen abgewöhnen will.

Genauso könnte ich natürlich behaupten, dass der Film „Joyride“ jungen Männern das Reisen (und CB-Funken) vermiesen will – es wird wohl für fast jede Behauptung irgendwie einen Hollywood-Film geben, der diese aus der richtigen Perspektive betrachtet, untermauert.

Wie so oft in Presseartikeln ist es eigentlich nur eine versteckte Werbung, im konkreten Fall für eine Wienerin, die eine feministische Vernetzungsplattform für Alleinreisende starten will – denn Tinder führe ja doch wieder nur zu Männern und damit zu Dates und das ist schließlich Bäh. In einem zeitgleich erschienen Parallelartikel aus der Praxis benutzt die dort dokumentierte Frau Tinder sehr wohl, weil es viele „nette Begegnungen“ gebracht hat. In diesem Artikel beschwert sich Frau Hable auch darüber, dass Alleinreisen so teuer sei. An dieser Stelle ein Geheimnis: Alleinreisen ist nicht so wahnsinnig teuer, die meisten Frauen sind es nur gewohnt, auf Reisen vom Partner auf alles mögliche eingeladen zu werden und sehen daher die vollen Kosten einer Reise nicht.

Wie auch nicht anders zu erwarten geht es dann um den Sicherheitsaspekt und natürlich auch hier wieder um das Patriarchat: 2 alleinreisende Frauen wurden in Südamerika sexuell missbraucht und anschließend umgebracht – und die Öffentlichkeit soll anschließend dann den Frauen eine Mitschuld gegeben haben („warum sind die da überhaupt hingefahren?“). Abgesehen vom sexuellen Missbrauch, sind Männer derselben Gefahr ausgesetzt und manche Gegenden Südamerikas sind eben ein gefährliches Pflaster – wären Männer betroffen gewesen, gäbe es diese Kommentare auch; mit dem Frausein hat das nichts zu tun.

Auch eine Geschichte aus islamischen Ländern, wo eine Frau ins Gefängnis kam, weil sie eine Vergewaltigung gemeldet hat (vorehelicher Geschlechtsverkehr), darf nicht fehlen. Hier kann ich nur sagen: Liebe Feministinnen, wendet doch alle eure Energie dafür auf, die islamischen Länder zu modernisieren: Erstens hätte euer Kampf dann eine sinnvolle Bedeutung, und zweitens hätten wir im Westen dann Ruhe von euch.

Der Artikel endet dann mit dem Satz „Für eine Frau ist vielleicht nichts so revolutionär, wie selbstbestimmt auf Reisen zu gehen“ der 82jährigen Feminstin Gloria Steinem und genau so muss man es sehen: Vor 80 Jahren war die Welt noch anders, spätestens seit den 1970er-Jahren kann eine Frau alleine reisen und darum kommt dieser Artikel mindestens 40 Jahre zu spät.

Übrigens: Wenn wieder mal irgendwo eine Frau einen völlig überdimensionierten Koffer durch die Gegend schleppt und dann einen Mann sucht, der ihr hilft, das von ihr sich selbst überfordernde Teil irgendwohin zu wuchten, stehe ich nicht zur Verfügung: Wer ach so selbstbestimmt jeden Dreck einpackt, kann ihn auch selbst schleppen. Ich glaube fest an die normative Kraft der praktischen Erfahrung, auch wenn mir die Realität im Zusammenhang mit dem weiblichen Geschlecht immer wieder das Gegenteil beweist.

Nur das Nötigste für die Reise

 

 

 

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