Nichts Neues am Tag der Sonne

Wer es trotz weltweiter Medienpräsenz nicht mitbekommen hat: Vorgestern war der Tag der Sonne, keineswegs ein internationaler Feiertag zur Huldigung der Solarenergie sondern der 105. Geburtstag des Staatsgründers von Nordkorea und seines Zeichens Opa des amtierenden Moppels Kim Jong-un, der jung und tatkräftig zur Sache schreitet, wie es in seiner Generation sonst nur der österreichische Außenminister Sebastian Kurz zu leisten im Stande ist.

Der Staatsgründer ist übrigens immer noch das offizielle Staatsoberhaupt, halt tot und einbalsamiert, aber die Amtsgeschäfte hat er noch im Griff.

Nordkorea wird übrigens oft als kommunistisches Land bezeichnet, der Begriff „Erbdiktatur“ passt da viel besser und das sage ich nicht, um den Kommunismus zu verherrlichen.

In Nordkorea steht auch das 330m hohe Ryugyong-Hotel, das gemäß kommunistischer Mangelwirtschaft seit 1987 im Bau ist (ursprünglicher Fertigstellungstermin 1989), da kann Berlin mit seinem Flughafen durchaus noch was lernen.

Da die Diktatur seit 70 Jahren besteht, gibt es wohl kaum noch jemanden, der nicht gehirngewaschen ist – soviel Zeit braucht man offenbar, um eine Diktatur nachhaltig zu installieren; wobie ich bezweifle, dass dies heute noch möglich wäre.

Nordkorea hat in diesen 7 Jahrzehnten seine Strategie konsequent durchgehalten: Völlige Abschottung von außen (das ist ja der Traum vieler westeuropäischer Linken im Bezug auf die Wirtschaft durch die Einführung von Strafzöllen für „unfair“ hergestellte Produkte, also quasi alle – führt bekanntermaßen zu Wohlstand und Zufriedenheit), dazu ein großes militärisches Abschreckungspotential und der „glückliche“ Umstand, dass Seoul nur 50km von der Grenze entfernt ist. Einen auf Gaddafi oder Saddam macht der Kim sicher nicht.

Ich habe mir im Schnelldurchlauf den Tag der Sonne angesehen:

Hier die Highlights:
– Ab Minute 9 fährt ein General(?) in einer langen S-Klasse vor, Embargo anyone?
– Das Gehoppel im Stechschritt ist durchaus sehenswert, die Massenchoreografie (in den 70ern gab es noch keine großen Displays) ist als veraltete Technik zur Perfektion gebracht
– Der Kim schaut manchmal recht ernst, ab Minute 29 kommen dann endlich die weiblicen Militärs dran, da bessert sich seine Laune, wenn tausende ihm treu ergebene Damen mit wippenden Brüsten im Stechschritt durch Pjöngjang ziehen
– Chinesisches Militärzeugs, aber auch ein paar gute alte Mercedes G sind zu sehen.

Insgesamt hätte Kim wohl keine Chance gegen die Amerikaner, aber eine Selbstzerstörung, die Seoul mit in den Abgrund reißt, wäre wohl auf alle Fälle drin. Die Entwicklung der Atombombe kann ich aus strategischer Sicht wohl nachvollziehen, aber die Trägerrakete, um die USA zu erreichen, erachte ich als Überreizen eines übermächtigen Gegners. Die USA haben auch Abwehrsysteme, eine solche Rakete wird wohl nie die USA erreichen, aber einen möglichen Angriff und damit die Entfernung des Kim-Regimes legitimieren. Ich würde mich einfach auf eine starke, zuverlässig funktionierende Atombombe konzentrieren – Seoul kann nicht wegrennen. Das reicht, daneben die Beziehungen mit Russland und China stärken, die ebenfalls kein Interesse an US-Truppen an ihrer Grenze haben (wobei das mittlerweile bei Russland durch die Stationierung in Polen nahe Kaliningrad durchaus der Fall ist und einen Bruch des Nato-Versprechens am Ende des kalten Krieges darstellt).

Wer es nicht kennt: Kim Jong Un Looking at Things ist ein unterhaltsamer Blog (den gab es schon als der Vater noch lebte) – Kim ist laut Propaganda ja gottgleich und allwissend und unternimmt daher permanent Inspektionsreisen durch sein Land (woanders darf er ja kaum hin) um nach dem Rechten zu sehen und die eigene Weisheit mit den Untertanen zu teilen.

PS: Falls ihr euch fragt, was das mit MGTOW zu tun hat: Es gibt hier immer interessante und erhellende Kommentare, wie sie eben nur unter Männern möglich sind. Frauen interessieren sich zumeist nicht für Weltpolitik bzw. alles, was sie nicht direkt betrifft.

Ein Gedanke zu “Nichts Neues am Tag der Sonne

  1. Nordkorea ist ein schönes Beispiel für viele Aspekte.
    Zum einen schaffen es dort die Machthaber sich in ihrer Wagenburg (wobei das ganze Land dann die Burg ist) zu verschanzen, zum einen wird ohne Ende anscheinend in das Land geschmuggelt. Das sagen sogar die Main Stream Medien.
    Und dann noch was zum Thema Gehirnwäsche: Auch hier Europa und vor allem auch in Deutschland hat man sich eine Menge gehirngewaschene „Systemtrolle“ herangezüchtet.
    Vor allem die Jugendgruppen/Jugendorganisationen in Deutschland züchten Leute ran, die zwar glauben eine eigene Meinung zu haben, die aber Mitläufer sind.

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