MGTOW, Feminismus für Männer?

In einem amerikanischen Forum habe ich die Ansicht gelesen, dass MGTOW nur die männliche Variante vom Feminismus ist – der Feminismus brachte die Frauen dazu, sich von den traditionellen Geschlechterrollen (Haushalt, Kindererziehung, Unterordnung,…) zu lösen – und MGTOW macht das eben auch, indem Männer sich von der Rolle des Versorgers und Ernährers verabschieden.

MGTOW ist sicherlich eine Reaktion auf den Feminismus und das Ziel, dass sich ein Geschlecht nicht mehr dem traditionellen Rollenbild unterwirft ist auch vergleichbar – aber der Weg und die Mittel sind komplett verschieden:

…ISMUS

Ein …ismus ist immer eine Ideologie, der Feminismus definitiv eine dogmatische Ideologie – es gibt ein Weltbild und eine Ansicht, die auch gegen stichhaltige Argumente verteidigt wird, so wie der Teilaspekt „Genderidiologie“, also die irrige Ansicht, dass sämtliche Geschlechterspezifika ausschließlich soziale Konstruktionen sind. MGTOW hingegen ist bestenfalls eine Idee: Die Idee, dass man sich nicht Chancen seines Lebens durch frühe, leichfertige Entscheidungen verunmöglichen sollte. Wie diese Idee umgesetzt wird und auch bis zu welchem Grad ist individuell – es gibt keine „Gesetze“, auch wenn der Großteil der MGTOW-Anhänger einer Ehe wohl nicht besonders aufgeschlossen gegenüber steht…

Sozialismus vs. Liberalismus

Feminismus ist so erfolgreich, weil er auf dem Sozialismus der westlichen Welt aufbaut. Feminismus ist links und benötigt starke staatliche Lenkung, um erfolgreich zu sein. Als Salami-Taktik wurden immer mehr und mehr Regelungen zugunsten des weiblichen Geschlechts eingeführt und dem Großteil der Bevölkerung war es einfach egal oder nicht wichtig genug. MGTOW ist tendenziell rechts (d.h. definitiv nicht links), aber hauptsächlich liberal: Niemand soll zu etwas gezwungen werden, jeder ist für seine Lebensentscheidungen und die daraus resultierenden Konsequenzen selbst verantwortlich – wenn das nicht liberal ist?

Eliten vs. Fußvolk

Feminismus ist eine von den Eliten initiierte Bewegung: Frauen, die arbeiten, zahlen Steuern. Frauen ohne intakte Familie sind vom Staat abhängig. Feminismus will Menschen, Gesellschaft und Verhältnisse ändern. MGTOW will nichts ändern, MGTOW dient der persönlichen Zufriedenheit des Individuums – wenn sich dadurch Änderungen ergeben, warum nicht – aber es ist nicht das Ziel!

Aggression vs. Gandhi-Pazifismus

Feminismus ist aggressiv und laut, kriminalisiert Gegner („Jeder Mann ist ein potentieller Vergewaltiger“). MGTOW geht nicht aggressiv gegen Andersdenkende vor, sondern ignoriert sie in Tradition von Mahatma Gandhi – MGTOW durchlebt genau die Phasen, wie von Gandhi geschrieben: Zuerst ignorieren sie dich (diese Phase ist schon vorbei, denn es gibt mittlerweile einen MGTOW-Artikel in der englischsprachigen Wikipedia), dann lachen sie über dich („Verzweifelte, die keine Frau abkriegen“ – da sind wir gerade mitten drin), dann bekämpfen sie dich (erste Anzeichen, aber diese Phase ist erst erreicht, wenn zB kinderlose unverheiratete Männer steuerlich deutlich benachteiligt werden, etc.) und dann gewinnst du.

Hier die gute Nachricht: Jeder MGTOW hat schon gewonnen, für sich selbst!