Ich bin’s, der Frosch im Wasserkocher

Kürzlich hatte ich ein unterhaltsames Gespräch mit einem mittelständischen Unternehmer aus Deutschland mit ca. 50 Angestellten. Er erzählte mir, dass er de facto eine Vollzeitstelle damit auslastet, völlig sinnlose bürokratische Anforderungen zu erfüllen: Wenn er beispielsweise einen selbständigen Grafiker beauftragt, muss er als Auftraggeber die Künstlersozialversicherung berechnen und abführen (offenbar meint der deutsche Gesetzgeber, dass Künstler dazu nicht selbst in der Lage sind). Oder die gesamten GEZ-Meldungen und Gebühren, die eben auch die Autoradios seiner Fahrzeugflotte umfassen, diverse Statistiken für alle möglichen Ämter, etc.

Ich musste deshalb schmunzeln, weil es in meinem zukünftigen Wohnsitzland so etwas wie die GEZ (in Österreich GIS) eben gar nicht gibt und auch niemand auf die Idee käme, so einen bürokratischen Moloch zu installieren.

Es gibt dort auch keine Grundsteuer – beim Immobilienerwerb ist für die Grundbucheintragung ein gewisser Anteil fällig und dann eben nichts mehr. Die Grundsteuer in Österreich und Deutschland hingegen soll uns daran erinnern, dass wir eben nicht Eigentümer sind, sondern nur Pächter des Staates und wir uns unsere Grundstücke nicht verkaufen, sondern nur zeitlich unbegrenzte Pachtrechte weitergeben, wobei die Pacht jederzeit einseitig durch den Staat erhöht werden kann. Privatrechtlich würden wir solche Verträge wohl nicht abschließen, sie sogar für eine sittenwidrige Frechheit halten, aber beim Staat ist das gaaaanz was anderes, das „sind wir ja alle“ und so.

Wenn man sich – so wie ich – mental vom überbürokratischen Westeuropa verabschiedet hat, fallen einem solche Dinge erst recht auf – Außenbetrachtung eben. Das bringt mich zum Titel dieses Beitrags:

Es gibt (angeblich, ich habe es selbst nicht verifiziert) ein Tierexperiment: Nimmt man einen Frosch und wirft ihn in einen Topf mit kochendem Wasser, dann springt er in einer Panikreaktion sofort heraus (und lebt weiter). Legt man ihn hingegen in einen ausgeschalteten Wasserkocher mit noch kaltem Wasser und schaltet diesen anschließend ein, steigt die Temperatur gleichmäßig an, sodass er nie einen Schock kriegt und so lange darin bleibt bis es kocht und er stirbt. Egal ob das jetzt stimmt oder nicht – es verdeutlicht unsere vom Hausverstand sich immer weiter entfernende Bürokratie und was wir uns als Bürger alles gefallen lassen. Leistungsbereite asiatische Manager wandern eben genau deshalb nicht nach Österreich zu, da alles kompliziert und hoch besteuert ist, die gehen lieber in die USA oder Kanada, wo sie auch willkommen sind, während in Österreich „die Auslända“ alle in einen Topf geworfen werden.

Das diese Strategie durchaus politisch von ganz oben gewollt ist, bestätigt das Zitat von Jean-Claude Juncker, Präsident der EU-Kommission:

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Quelle: https://de.wikiquote.org/wiki/Jean-Claude_Juncker

Feministen Bingo


3 Gedanken zu “Ich bin’s, der Frosch im Wasserkocher

  1. Quelle Civilization

    „Die Bürokratie wurde erfunden um die Bedürfnisse der Bürokratie zu befriedigen.“

    Früher hätten diese Leute mit dem Bedürfnis einen Verein gegründet und niemandem wäre geschadet worden, aber die 68er meinten allen einreden zu müssen Vereine seien piefig und Verwaltungen offen, modern, und transparent.

    Wie die Väter so die Töchter … und Söhnchen.

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  2. Ob es in den USA und Kanada noch immer so rosig ist, wage ich zu bezweifeln. Die Nordamerikanischen Staaten haben vielleicht eine etwas unkompliziertere Bürokratie, aber das Steueraufkommen wird sich kaum vom mitteleuropäischen unterscheiden. Dort zahlt man eben mehr Vermögenssteuern. Ob ich über die Vermögenssteuer oder über die Grundsteuer vom Staat abgezockt werde und ob das Geld für Sozialschmarotzer oder für die Kriege der „Eliten“ verwendet wird, ist auch schon wurscht.
    Das werden auch noch leistungsbereite asiatische Manager lernen. Bei den leistungsbereiten asiatischen Managern ist die Sprachbarriere sicher auch ein Problem.
    Bitte versteht mich nicht falsch, ich möchte nicht unseren steuergeldverschwendenden, inländer- und leistungsfeindlichen Sozialstaat verteidigen. Was wir brauchen ist ein Nachtwächterstaat.

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