„Du verstehst das nicht, du hast ja keine Kinder“

Wie ich diesen Satz hasse! Jedesmal könnte ich demjenigen/derjenigen laut ins Gesicht schreien: „Doch! Ich verstehe das und GENAU DARUM habe ich keine Kinder“

Jetzt wo der 40iger näher rückt, häufen sich Beschwerden von gleichaltigen Geschlechtsgenossen der reproduktiven Klasse. Es kann kein Neuwagen mehr sein, es geht sich nur ein Gebrauchter aus. Irgendwie sind die laufenden Kosten der großen Kredithütte auch höher als gedacht und bei einem Haus ist immer irgendwas. Die Kinder sind im ungünstigsten Zeitpunkt krank und die Ehegattin hat noch sooo viele Wünsche, sowohl finanzieller als auch zeitintensiver Natur.

Ständig wird betont, wie glücklich man ist.

Ich betone das nie, bin ich den wirklich glücklich? Ich bin nicht unglücklich, aber ich habe noch genügend Träume. Wenn ich morgen vom LKW überfahren werden würde, dann wäre das blöd. Für viele Väter in meinem Bekanntenkreis wäre das die Erlösung – das ist wohl der Unterschied.

Ich will damit gar nicht sagen, dass Vaterschaft der Schlüssel zum Unglück ist. Es ist ja sicher ganz nett, wenn man seine Gene weitergibt und sich so an der großen Evolutionsgeschichte ein Stück weit beteiligt. Es ist das Rundherum, das einen fertig macht. Offenbar ist im westlichen Kulturkreis Vaterschaft und Familienleben immer mit einem großen Kredit verbunden. Von den Mänern geht das nicht wirlich aus, die wissen, dass sie diesen Betrag auch irgendwann erarbeiten müssen. Ich brauche keine Hochglanzküche um 20.000 Euro, in der dann nie gekocht wird, denn die könnte ja schmutzig werden und was denken dann die Besucher, für die die Protzküche eigentlich angeschafft wurde. Es darf ja auch kein einfacher Sonnenschirm für die Terasse sein, es muss ein riesiges Sonnensegel sein, das quer durch den Garten gespannt ist – am Wichtigsten: Es muss größer als das vom Nachbarn sein. (Darum habe ich keine Nachbarn, ja – solche Wohnlagen gibt es auch)

An alle sich noch nicht reproduziert habenden Männer da draußen richte ich eine Botschaft: Euer Hoden ist bis ins hohe Alter in der Lage, Samen zu produzieren. Damit könnt ihr euren Kinderwunsch in einen späteren Teil des Lebens verlegen. Dies bedingt konsequenterweise dann natürlich eine deutlich jüngere Sexualpartnerin für das gemeinsame Fortpflanzungsprojekt, was ich jetzt aber nicht als Nachteil sehen würde. Und vielleicht kommt ihr mit 40 anhand eures Bekanntenkreises drauf, dass ihr das gar nicht wollt. Dann habt ihr alle Optionen und könnt euch für die für euch beste davon entscheiden. Frauen haben dieses Glück aufgrund der Biologie nicht und stehen daher unter (vermeintlichem?) Druck und werden diesen an euch weitergeben, garantiert.

3 Gedanken zu “„Du verstehst das nicht, du hast ja keine Kinder“

  1. Nachtrag (Off Topic):
    Unter einem der vorherigen Kapitel ging es um Sozialabbau in Deutschland. Mittlerweile ist es seit etwa einem Jahr tatsächlich so, dass kaputtgearbeitete Leute ihre „Frührente“ mit etwa 50 nur noch ganz schwer durchkriegen.
    Es wird schwieriger.

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  2. Man sollte sich überlegen, ob man überhaupt mit Paaren/Verheirateten/Eltern über sein Lebensmodell spricht. Ich halte es da mittlerweile ähnlich wie mit der politischen Haltung – man sollte eine haben, aber sie am Besten für sich behalten, um unnötige Ärgernisse im sozialen Umfeld zu vermeiden. Es wird einem Mann einfach nicht zugestanden, in dieser Hinsicht so wählerisch zu sein. Die Gesetze sind nun mal nicht so, wie ich es möchte. Warum soll man einen Knebelvertrag mit 2 Parteien eingehen, wenn man bereits weiß, dass man mit den Konditionen nicht einverstanden ist? Das macht man schon beim Kauf mittelpreisiger Anschaffungen nicht, warum dann bitte bei einer so großen Investition wie eine Lebens(abschnitts)partnerschaft? Nun erklär das mal einem Kumpel, der inzwischen Papa ist oder in der Verwandschaft. Da besteht eine Art „Interessenkonflikt“. In meinem Fall in der Verwandschaft wurde es auch schon als Provokation empfunden. <- Und genau das sehe ich künftig nicht mehr ein!

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